Staatenbildung und die Ökonomie von Kula und Potlatch


Fremde Völker, andere Kulturen: Wie alles anfing

Seit der Antike sind Aufzeichnungen über fremde Kulturen bekannt, im heutigen Sprachgebrauch Ethnographien. Diese Aufzeichnungen über ethnische Einheiten wurden auf verschiedene Weise erarbeitet, zum Beispiel aus historischen Reiseberichten, alten Fotos oder mitgebrachten Gegenständen.

Johann Georg Adam Forster - * 27. November 1754 in Nassenhuben bei Danzig; † 10. Januar 1794 in ParisGeorg Forsters Reise um die Welt gilt heute als die wichtigste ethnologische Reisebeschreibung der Südsee. Drei Jahre, von 1772 bis 1775, segelte er als Assistent seines Vaters auf dem Schiff von James Cook, durch das Südmeer. Zu diesem Zeitpunkt war Forster 23 Jahre alt. Für Cook, war es die zweite Reise in die Südsee.

Die moderne Ethnographie hat mit der Ethnologie (Völkerkunde) der Kolonialzeit, die meist ganze Gruppen von Völkern betrachtete, nicht mehr viel gemein. Heute werden meist Kleingruppen, die oftmals Zweckgemeinschaften bilden, untersucht. Auch werden viele ethnographische Studien zweckorientiert aus volkswirtschaftlichen Gründen betrieben, vor allem zur Produktivitätssteigerung, Produktverbesserung und Produktveränderung.

Anfänge der Ethnologie

Wissenschaftliche Untersuchungen über den Einfluss der Ökonomie  auf lokale Gemeinschaften, gibt es seit Ende des 19. Jahrhunderts. Franz Boas, Bronislaw Malinowski und Marcel Mauss befassten sich mit Kula und Potlatch. Marcel Mauss untersuchte die Ökonomie von Kula und Potlatch, basierend auf den Feldforschungen von Boas (Kwakiutl) und Malinowski (Trobriander).

Abb. 1

Die Insel Kiriwina gehört zu den "Trobriand-Inseln", die zu Papua Neu Guinea gehören. Sie ist eine Inselgruppe in der Salomonen-See. Kulturell gehören sie zu Melanesien. Politisch sind die Trobriand Inseln ein Teil der Provinz Milne Bay.

Abb. 2

Das Siedlungsgebiet der Haida, Tlingit Tsimshian - Nishga (Nisga'a) and Gitksan  Nuu-chah-nulth (Nootka) - Haisla, Heiltsuk, and Kwakwakw'wakw (Kwakiutl) Salishan (Nuxalk and Coast Salish) ist Vancouver Island und British Columbia

Ethnologie im Wandel

Die wirtschaftlichen Komponenten dieser „Phänomene“, wurden nach dem Zweiten Weltkrieg vorwiegend von amerikanischen Soziologen und Ethnologen untersucht. Marvin Harris wies nach, dass die Schülerin von Boas, Ruth Benedict, mit ihrer Feldforschung über den Potlatch bei den Kwakiutl, falsche Schlüsse zog, da sie die ökonomische Bedingungen der Kwakiutl nicht kannte oder falsch interpretierte und den Potlatch als "schamlosen Größenwahn" bezeichnete.

Die Politische Anthropologie, die heutzutage ein Bereich der Ethnologie ist, befasste und befasst sich unter anderem mit den Voraussetzungen und Bedingungen die die Ökonomie auf Staatengründungen hat. Wobei Staatengrundung nicht heißt: Gründung einer parlamentarischen Republik, mit verfassungsrechtlicher Ordnung und sozialer Marktwirtschaft.

Die Politischen Anthropologen, bzw. Soziologen, Elman Service und Georges Balandier haben nach den Ursachen und Bedingungen von Staatsgründungen, dem Wesen des Staates und den Ursachen von Staatengründungen gesucht. Baladiers stellte einen Zusammenhang zwischen der "Politischen Theorie". besonders zur Ideengeschichte der Politologie her, während Elman Service die Entstehung von derivaten Staaten untersuchte.

Maurice Godelier

Godeliers Hauptwerk „La Production Des Grands Hommes“ wurde 1982 publiziert. Eigentlich kommt Godelier von der Philosophie, aber das Werk von Marcel Mauss über die Gabe, hat ihn zum Anthropologen werden lassen, wie er selbst schreibt. [1]

Aber ein Buch über die Gabe zu schreiben, kam Godelier, als er 1994 das Buch „Inalienabel Possession, von Annette Weimer, erschienen 1992“ las.

„Annette Weimer, eine Trobriander-Spezialistin, die fünfzig Jahre nach Malinowski eine Untersuchung über dieselben Fakten, die Praxis des kula, durchgeführt hatte, hatte neue Tatsachen entdeckt, welche Probleme erklären, die bei Malinowski und Mauss ohne Antwort geblieben waren. Sie zeigte vor allem, wie man ein Objekt zur gleichen Zeit in der man es gab, behalten konnte.“[2] Ihr Lehrsatz lautet: „Keeping while Giving“.[3]

Einen Punkt, den Annette Weiner neu analysiert und herausgearbeitet hat, ist die „Rolle der Frau und die Existenz „weiblicher Güter“, die für die Produktion und für die Legitimation der politischen Macht unentbehrlich sind.[4]

Wichtig für die Beantwortung der Frage nach der Ökonomie von Kula und Potlatch sind Godeliers eigene Forschungen und Analysen über Die Gabe von Marcel Mauss.
in: Maurice Godelier. Das Rätsel der Gabe: Geld, Geschenke, heilige Objekte. C.H. Beck, München 1990

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[1] Maurice Godelier: Das Rätsel der Gabe, Geld, Geschenke, heilige Objekte. , S. 16-17
[2] ebd. Seite 18
[3] ebd. Seite 52
[4] ebd. Seite 53